hero image

Ein Messie mistet aus

· Etwa 2,1 Minuten Lesezeit

Ich war nie besonders gut im Aufräumen oder darin, Ordnung zu halten. Hinzu kommt, dass ich gern Dinge aufhebe. Zum einen weiß man ja nie, ob es nicht doch irgendwann mal für irgendwas nützlich ist, und zum anderen brauchen Erinnerungen ja Dinge, an denen sie sich festhalten können. So lässt sich das immerhin wunderbar nachträglich rationalisieren, wenn ich mal wieder etwas nicht wegschmeißen mag.

Dabei mag ich Ordnung durchaus. Natürlich bin ich auch nicht wirklich ein wirklicher Messie; und deshalb wird alle paar Jahre mal ausgemistet. Meistens im Kleiderschrank und Kommodenschubladen. Aber dieses Mal war einfach alles dran – die Wohnung und der Keller.

Es war erstaunlich zu sehen, wie viel 💩 man im Laufe der Jahre ansammelt. Mindestens zwei der im Keller gefundenen Kartons sind seit mehr als einer Dekade nicht mehr geöffnet worden. Auch etliche der ich-hebe-den-nur-auf-solange-noch-Garantie-drauf-ist-Kartons waren älter als vier Jahre.

Bei der ganzen Aktion haben sich ein paar Erkenntnisse aufgedrängt.

Erinnerungen brauchen nichts zum Festhalten

Im Gegenteil, solche Anker können Erinnerungen sogar schaden. Es ist ein bisschen so wie mit alten Computerspielen aus den 1980ern: Grafik und Gameplay können nur in der Erinnerung mit heutigen Standards mithalten. Sie auf Original-Hardware wieder zu spielen kann äußert frustrierend, traurig oder echt enttäuschend sein. Manchmal – und das gar nicht so selten – ist es besser, der Erinnerung die Möglichkeit zu geben, zu verschwinden oder sich frei zu entfalten. Ohne lästige, einschränkende Fakten.

Es ist überaus befreiend, alten Ballast abzuwerfen

Je weniger man hat, desto weniger muss man drauf aufpassen und auch sauber machen. Es ist buchstäblich erleichternd, alten Ballast abzuwerfen und sich bewusst von Krempel zu trennen. Und erst der Platz, den man gewinnt. Man kann sich wieder frei bewegen – ohne Angst, zu stolpern oder unliebsamen Erinnerungen zu begegnen.

Aufräumen ist immer ein bisschen wie ein Neuanfang. Wie gute Vorsätze zum neuen Jahr. Und allem Anfang wohnt ein Zauber inne. Quasi. Die Kunst ist es, sich diesen Zauber zu erhalten und dran zu bleiben.


Ich bin promovierter Linguist mit einem Fokus auf Bildzeichen, Business Developer, Designer und Web-Entwickler. Beruflich mache ich was mit Medien. Auch mit Neuen. Privat bin ich Gamer und Sportler. Außerdem mache ich Icons, Pixel Art, Musik und Fotos. Ab und zu schreibe ich mal was, oder code hier und da Kleinigkeiten.

© 2009 – 2019 @marc2o // Marc Oliver Orth. All rights reserved.
Das Kleingedruckte. Feed.

Zurück