Ein Jahr Animal Crossing

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Man darf das ja eigentlich keinem erzählen: Nicht, dass ich mein 3DS eigentlich nur für Animal Crossing: New Leaf gekauft habe, und erst recht nicht, wie viel Zeit ich mit diesem Spiel verbringe.

Vor einem Jahr, am 22. Juni 2013, bin ich Bürgermeister von Anderswo geworden. Seitdem habe ich keinen Tag ausgelassen. Laut 3DS Aktivitätslog war ich in den vergangenen 365 Tagen 710 mal in meinem Dorf und habe insgesamt 523 Stunden lang Möbelserien und Kleidungsstücke gesammelt, Fossilien ausgegraben, Pilze gesucht, Bäume geschüttelt, Briefe geschrieben, Nachbarn besucht, Gefälligkeiten erledigt, Kunstwerke gespendet, die Insel besichtigt, Insekten gefangen, Fische geangelt, Wettbewerbe bestritten, Unkraut gezupft, Bäume gefällt und gepflanzt, Blumen gepflanzt und gegossen, Spenden gesammelt, Stadtverschönerungen gebaut, Unterschriftenaktionen durchgeführt, andere Städte bereist und mein Haus ausgebaut. Ja, man spielt nicht einfach Animal Crossing — man lebt es.

Animal Crossing New Leaf — Bürgermeister Marc von Anderswo (Titelbild) »It’s not a game … it’s a way of life.«

Animal Crossing, das im Japanischen どうぶつの森 bzw. Dōbutsu no Mori heißt, was laut Wikipedia so viel wie »Wald der Tiere« bedeutet, ist die Simulation eines kleinen Dorfes und der umgebenden Natur in Echtzeit, also mit Tageszeiten und Jahreszeiten, mit Wetter und mit Feiertagen und Festen. Das Dorf wird von allzu menschlichen Tieren bewohnt und ich (metonymisch gesprochen für meine stets vergnügt mit dem Kopf vor sich hin wackelnde Spielfigur) lebe dort als einziger »echter« Mensch.

Humorvoll, phantasievoll, liebevoll gemacht und durchaus hintergründig ist Animal Crossing eine kleine heile Welt, und ein wunderbarer Zeitvertreib. Mein absolutes Lieblingsspiel.

Szenen aus Anderswo (full_width) Komm nach Anderswo! Schlummeranschrift: 7800-2438-1754

Es mag schon eskapistisch anmuten, wenn ich mich tagtäglich in mein Dorf zurückziehe. Aber tatsächlich ist es mehr die tägliche Exkursion in die Welt, wie sie sein könnte, wenn, ja wenn mehr Leute Animal Crossing spielen würden. Animal Crossing ist sozusagen mein Boot Camp für die Ausbildung zum besseren Menschen.

Kant wäre sicher begeistert vom second life nach dem Kategorischen Imperativ. Roddenberry wäre fasziniert von der utopischen Gesellschaft, in der lila Eichhörnchen und blaue Tapire gleichberechtigt und in friedlichem Miteinander leben. Grzimek wäre gerührt vom respektvollen Umgang aller mit der Natur.

Aber neben all dem entspannt es mich einfach. Mir ist die Langsamkeit am wichtigsten. Nichts geht schnell, alles dauert seine Zeit. Viele kleine Bremsklötze im Spiel zwingen einen zur Muße und erinnern einen daran, sich Zeit zu nehmen für kleine Höflichkeiten: Das Pläuschchen beim Betreten des Geschäfts, die kurze Verabschiedung, zufällige Begegnungen mit Klönschnack. Freundlichkeit und Geduld sind zwei Tugenden, die in Animal Crossing immer belohnt werden.

Aber das ist ja genau der Sinn des Spiels — mein Sinn des Spiels: eine schöne Zeit haben. Genau wie es Nintendo sagt: »Mach’s dir schön! Und bau die Welt, die dir gefällt.« Das mach ich! — Auf die nächsten 365 Tage!