Die Masche mit dem Label

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Es gibt Dinge, von denen erfährt zuerst bei Facebook; und wenn nicht dort, dann im Frühstücksfernsehen. Zum Beispiel von myboshi und den individuellen Häkelmützen: Die sehen cool aus, sind echte Handarbeit und sicher auch Fair Trade, mit angemessen bezahlten Häkelomis.

Kaufen ist jedoch nur der halbe Spaß

Sich inspirieren lassen und selbst zur Nadel zu greifen gehört übrigens auch zum Geschäftsmodell. Es ist schon brilliant von den myboshi-Erfindern, nicht nur fertige Mützen über den Online-Shop zu vertreiben, sondern auch Bastel-Zubehör und Anleitungen in den Handel zu bringen. Inzwischen sind drei Handarbeitsbücher mit unzähligen myboshi »Rezeptideen« erhältlich, weit über bloße Mützen hinaus. Die Wolle gibt es in allen Farben. Häkelnadel-Hersteller Prym hat eigens myboshi-gebrandete Häkelnadeln mit buntem Softgriff heraus gebracht. — Handarbeit ist damit jetzt offiziell cool!

Meine erste selfmade boshi (Titelbild)

Meine erste selfmade boshi

Meine Bessere Hälfte hat mich vor einer Woche motiviert, spontan in die Stadt zu fahren, Anleitung, Garn und Häkelnadeln zu kaufen, und mühsam Erinnerungen an den Handarbeitsunterricht aus Schulzeiten wieder wachzurufen: Luftmaschen, feste Maschen, Stäbchen — das volle Programm. Am zweiten Tag hatte immerhin mein Bär schon einen schicken Schal namens Hamon. Inzwischen ist eine Mūtze fertig und ich häkele an meinem eigenen Hamon. Ich kann also sagen, dass ich ein neues Hobby habe. Eines, das ohne Strom auskommt, entspannend und obendrein kleidsam ist.

Ein Firmenlogo auf Selbstgehäkeltem

Die geniale Masche (um das unvermeidliche Wortspiel zu verwenden) besteht allerdings in der Idee mit dem Selfmade-Label. In jedem Anleitungsbuch sind Logo-Labels mit der Aufschrift »my selfmade boshi« enthalten. Diese Aufnäher bekommt der Kunde auch im Geschäft, wenn er mindestens drei bis vier Knäule der original myboshi-Wolle kauft. Ein kurzer Blick in Google zeigt, dass die Handarbeitsfans verrückt nach den Aufnähern sind. Ein wirklich kluger Schachzug: Menschen dazu zu bringen, auf ihre selbst gemachten Häkelwaren ein fremdes Firmenlogo zu nähen! Darauf muss man erstmal kommen.

myboshi steht für Handarbeit, Originalität und Individualität — und so individuell wie die Selbsthäkler kriegen es nicht mal die Häkelomis mit Mützenkonfigurator hin. Das Beste dabei ist: die Qualitätssicherung wird vom Kunden selbst betrieben. Ich würde wohl kaum mit meiner selbst gehäkelten Mütze vor die Tür gehen, wenn ich nicht der Meinung bin, dass sich mein Machwerk sehen lassen kann. Folglich ziert das Logo garantiert markentaugliche Ware. Prima Konzept, also.

Kopfsache

Da ist dann auch noch eine gehörige Portion Psychologie mit im Spiel. Das offizielle Logo macht schließlich weit mehr aus der einfachen, selbstgehäkelten Mütze. Es verleiht dem Teil die Coolness der Marke und einen Hauch Professionalität. Im Zweifel geht das Maschenwerk gleich als gekauft durch, was auch ein Vorteil sein kann. Die Frage »Ist das selbst gemacht?« kann ja heißen, dass es auch so aussieht.

Ich werde den Aufnäher sowohl an die Mütze als auch an den Schal nähen. Schließlich hätte ich ohne Anleitung und Muster keines von beiden zuwege gebracht. Credit where credit is due.