50 Wörter für Regen

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Das Wetter ist ein beliebtes Gesprächsthema. Jeder kann etwas dazu sagen. Das Wetter gehört auch zu den wenigen Dingen in unserem Umfeld, zu dem jeder eine Meinung haben darf, sogar eine eigene.

Wetter, und vor allem das hannöversche, kennt kein Mittelmaß, so kommt es einem vor. Eigentlich ist es immer zu heiß oder zu kalt, zu verregnet oder zu trocken, und überhaupt ständig ganz anders als vorhergesagt. Trotz Wetter-Apps und -Widgets.

Das war früher anders, und besser, sagen Leute von früher. Wo sind die richtigen Winter, und auch Sommer? Wo sind die anderen Jahreszeiten, die dazwischen gehören? Heute gibt es ja praktisch gar keine Übergangszeit mehr. Nur noch die Jacken dafür. Die Preise für Obst und Gemüse steigen, weil wir keinen Frühling hatten, oder weil der Winter so lang war. Oder beides. Spargelpflanzen müssen beheizt und die Erdbeeren importiert werden. Von der viel zitierten Globalen Erwärmung merkt man eigentlich nichts. Kann aber auch am Global Dimming liegen. Am Wetter sind wir aber in jedem Fall selbst Schuld. Sagen die Klimaforscher. Schon seit wir sesshaft geworden sind und den Ackerbau für uns entdeckt haben. Ob da auch die ewige Nörgelei über das Wetter begonnen hat?

Besonders hat es dem norddeutschen Nörgler ja der Regen angetan. Regen wirkt nämlich nur in Filmen gut. So atmosphärisch. Dramatisch. Erotisch, zuweilen. Es mag zwar ein Irrglaube sein, die Eskimo hätten 50 Wörter für Schnee, aber wir sollten mindestens so viele Begriffe für Regen haben, die dieses Wetterphänomen angemessen in allen seinen Variationen nach Tropfengröße, Intensität, Jahreszeit und Temperatur beschreiben. Schließlich ist Regen unser gefühlt häufigstes Wetter.

Dauerregen (Titelbild) Ein Tag wie ein Aquarell… (marc2o)

Regenwörterbuch

Dauerregen, der n. Nicht enden wollender Regen, ganz gleichmäßig von morgens bis abends. Genau die Art Wetter, die man vor allem im Herbst gern drinnen mit heißem Tee oder heißer Schokolade und Gebäck verbringt.

Bindfäden regnen ugs. Starker regen, dessen kleinere Tropfen so dicht aufeinander folgen, dass sie wie Linien wirken: »Es regnet Bindfäden.« Häufige Eigenschaft von Platzregen.

gallern v. So wie pladdern, nur weiter südlich von Hannover.

in Strömen regnen ugs. Wenn es wie aus Eimern schüttet, aber die Tropfen nicht dicht genug aufeinander folgen für Bindfäden und nicht dick und groß genug sind für Junge Hunde.

Junge Hunde regnen ugs. Verwandt mit dem englischen it's raining cats and dogs. Wenn es eben in Strömen regnet, mit dicken, großen Tropfen. Häufig genau das Wetter, bei dem man nicht mal den Hund vor die Tür schicken würde.

Nieseln, das n. Feiner, ziemlich gleichförmiger Regen mit sehr kleinen Wassertröpfchen. Sieht fast aus wie Nebel, ist nur viel nasser. Leichter Nieselregen bei 5°C ist häufig das Standardwetter in Hannover von November bis Januar.

pladdern v. Starker Regen, benannt nach der Geräuschkulisse, die er erzeugt.

plästern v. Mit langem ä. Stürmischer Regen mit großen Tropfen, bei dem Schirme nichts nutzen.

Platzregen, der n. Ein heftiger Schauer mit großen Tropfen und hoher Intensität, der u. U. plötzlich beginnt und nur kurz andauert. Meist ist man nass, bevor man den Schirm geöffnet hat.

Schauer, der n. Ein kurzer Regenguss, der von leicht bis heftig (siehe Platzregen) reichen kann. Besonders faszinierend sind lokale Schauer, wenn drum herum die Sonne scheint. Der Begriff des Schauers wird von Fernseh-Meteorologen vor allem im Sommer verwendet, um uns die Hoffnung auf einen schönen, sonnigen Tag nicht gänzlich zu nehmen.

sintflutartiger Regen, der n. Ein sehr starker Schauer oder auch Platzregen biblischen Ausmaßes. Häufig gefolgt von voll gelaufenen Kellern und angespülten jungen Hunden.

Sommerregen, der n. Die vielleicht erotischte Art Regenschauer, bei der man barfuß und ohne T-Shirt durch die Straße läuft; die angenehm lauwarme Dusche von oben an einem heißen Tag, z. B. vor einem Sommergewitter.

Spargelregen, der n. Kurze Schauer im sonst sonnig milden Frühlingswetter im April und Mai. Gern gesehen von Spargelbauern und Spargelessern, weil damit der Spargel gut wächst und nicht zu teuer wird.

Sprühregen, der n. Allzu faktische Beschreibung von norddeutschem Schietwetter. Siehe auch Nieseln.

wie aus Eimern schütten ugs. Wenn es wie aus Eimern schüttet oder wie aus Kübeln gießt, dann ist das ein wahrer Wolkenbruch.

Wolkenbruch, der n. Wenn es schüttet wie aus Eimern und der Ausdruck Platzregen nicht stark genug ist.

Dieses kurze Glossar zeigt doch unser sehr gestörtes Verhältnis zum Regen. Kein Hannoveraner würde einen Regentanz aufführen. Außer vor Wut. Dabei gibt es doch an und für sich gar kein schlechtes Wetter. Nur die falsche Kleidung. — Und nächstes Jahr kommen Wasserpflanzen auf die Terrasse!